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Biologischer Pflanzenschutz– was ist das?

Allgemeines

Biologischer Pflanzenschutz ist der Einsatz lebender Organismen und natürlicher (oder naturidentischer) Verbindungen zur Kontrolle von Schädlings- und Krankheitspopulationen und von Unkraut.

IBMA Marienkaefer

Die IBMA (International Biocontrol Manufacturers Association) definiert Produkte des biologischen Pflanzenschutzes so: „Mittel, die aus der Natur stammen, die eine geringe Auswirkung auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt haben und zur Bekämpfung von Schädlingen, Unkraut und Krankheiten eingesetzt werden.“  

Dieser Ansatz wird seit über 100 Jahren ergebnisreich verfolgt, um die Ausbreitung von Schädlingen einzudämmen, Nutzpflanzen zu schützen und das Gleichgewicht von Ökosystemen und Lebensräumen wiederherzustellen.

Biologische Schädlingsbekämpfung als natürliche Alternative zu chemischen Pestiziden

Bei der biologischen Schädlingsbekämpfung werden natürliche Technologien eingesetzt, um Schädlinge auf umweltverträgliche Weise zu bekämpfen. Bei richtiger Anwendung können so z.B. Landwirte den Einsatz synthetischer Chemikalien reduzieren, die verheerende negative Auswirkungen auf Menschen, Wildtiere, die Gesundheit des Bodens und die Pflanzenproduktion haben können.

Bei einigen Schädlingen handelt es sich um invasive oder nicht-einheimische Arten. Sie wurden von einem Ort zu einem anderen Ort gebracht, an dem ihre natürlichen Feinde nicht vorhanden waren, um sie zu bekämpfen. So konnten sich diese Schädlinge an dem neuen Ort unkontrolliert ausbreiten.

Die biologische Schädlingsbekämpfung hat sich als wirksames Mittel zur Bekämpfung invasiver oder nicht-heimischer Arten erwiesen, und zwar durch eine Methode, die als integriertes Schädlingsmanagement (IPM) bezeichnet wird. 

Was ist das Ziel des biologischen Pflanzenschutzes und wer sollte ihn anwenden?

Ziel des biologischen Pflanzenschutzes ist es, Kulturpflanzen vor unerwünschten Schädlingen und Krankheiten zu schützen, ohne dabei Menschen zu gefährden, Wildtiere zu schädigen oder die Resistenz von Schädlingen zu fördern.
Sie kann als Schnellangriffsmethode oder als langfristiger Aufbau einer Immunität im Anbausystem eingesetzt werden. Außerdem ist sie für den ökologischen und nachhaltigen Landbau bestens geeignet.

IBMA Raupe

Das Interesse an biologischen Pflanzenschutzmethoden steigt, da Sicherheit (für Mensch und Umwelt) und Bildung von Resistenzen in Zusammenhang mit herkömmlichen chemischen Pestiziden immer mehr Beachtung in der Öffentlichkeit findet.

Darüber hinaus hat die zunehmende Beliebtheit von rückstandsarmen und/oder biologischen Lebensmitteln bei den Verbrauchern dazu geführt, daß vermehrt nach natürlicheren Methoden des Pflanzschutzes gesucht wird.  

Reduzierung des Einsatzes synthetischer Chemikalien

 Chemisch-synthetische Pestizide können sich auf eine Vielzahl von Faktoren in der Landwirtschaft nachteilig auswirken. Sie können das Bodenleben stören, was wiederum die grundlegenden Prozesse des Pflanzenwachstums und der Vitalität einschränkt, sie können die Tierwelt in und um den Betrieb schädigen und Wasserläufe verschmutzen.  

Auch das Leben der Menschen kann durch chemisch-synthetische Pestizide beeinträchtigt werden. Direkt bei der Lagerung und Handhabung auf dem Hof und durch Verunreinigung des Trinkwassers oder indirekt, wenn die Resistenz von Schädlingen zu Ernteeinbußen führt und damit die Lebensgrundlagen beeinträchtigt werden.

Neue Schädlinge und Krankheiten

Der zunehmende globale Handel und Reiseverkehr hat dazu geführt, daß nicht-heimische Arten in fremden Gebieten landen und das empfindliche Gleichgewicht der einheimischen Ökosysteme gestört wird. Die natürlichen Freßfeinde, Krankheitserreger und Konkurrenten, die die Schädlinge und Krankheiten normalerweise in der Heimat in Schach halten, sind nicht vorhanden. Dadurch haben eindringende Schädlinge und Krankheiten einen enormen unfairen Vorteil.

Biologische Schädlingsbekämpfung, welche Strategien gibt es?

IBMA Lavendel

Es gibt verschiedene Strategien der biologischen Schädlingsbekämpfung:

  • Freisetzen von heimischen natürlichen Feinden
  • Import und Freisetzen von Gegenspielern invasiver Schädlinge
  • Erhaltung von vorhandenen natürlichen Feinden

Freisetzen von heimischen natürlichen Feinden

Bei dieser biologischen Bekämpfungsstrategie werden natürliche Feinde eines Schädlings freigesetzt. Das können Mikroorganismen, natürliche Stoffe, räuberische Insekten oder Milben sein, die Schädlingspopulationen abtöten oder unterdrücken können.

Die Freisetzung kann in kleinen Mengen erfolgen, aber gleichmäßig über die Jahreszeiten hinweg (inoculativ), oder aber in größerem Umfang, um eine sofortige Wirkung zu erzielen (inundativ).

Import und Freisetzen von Gegenspielern invasiver Schädlinge (Klassische biologische Schädlingsbekämpfung)

Bei der klassischen biologischen Schädlingsbekämpfung wird ein entsprechender Gegenspieler eingeführt, um einen Schädling in einem Gebiet zu bekämpfen, in das er eingedrungen ist.

Das Ziel ist nicht die Ausrottung des invasiven Schädlings, sondern die Senkung seiner Dichte unter einen geeigneten ökologischen oder wirtschaftlichen Schwellenwert.

CABI - die Organisation, die das CABI BioProtection Portal verwaltet - kann auf eine lange Geschichte der klassischen biologischen Schädlingsbekämpfung zurückblicken. Sie erforscht weltweit potentielle biologische Bekämpfungsmittel für verschiedene invasive Arten.
Im Rahmen dieser Arbeit wurde unter anderem Diadromus pulchellus freigesetzt, eine Wespenart, die zur Bekämpfung der invasiven Lauchmotte Acrolepiopsis assectella in Kanada eingesetzt wird.   

Erhaltung von vorhandenen natürlichen Feinden

Hierbei geht es um die Erhaltung der natürlichen Feinde, die bereits in einer bestimmten Umgebung vorhanden sind und eine Schädlingspopulation kontrollieren. Dies könnte als eine der einfachsten Strategien der biologischen Schädlingsbekämpfung angesehen werden, da die natürlichen Feinde bereits ihre Arbeit verrichten. Das Ziel dieser Strategie ist die Erhaltung dieser natürlichen Feinde.

Biologischen Bekämpfungsmittel, welche gibt es? 

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Nematoden sind mikroskopisch kleine Fadenwürmer und können in der biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden. Foto: Ralf-Udo Ehlers


Es gibt verschiedene Arten von biologischen Schädlingsbekämpfungsmitteln, darunter Mikroorganismen, natürliche Stoffe, wirbellose Tiere (Insekten, Milben, Nematoden) und Semiochemikalien (Botenstoffe). Sie alle können eingesetzt werden, um Pflanzenschädlinge und -krankheiten zu stören, abzuschrecken oder abzutöten.

Mikroorganismen

Zu dieser Gruppe gehören Bakterien, Pilze, Viren und andere Mikroorganismen, die in der Lage sind, Schädlinge abzutöten oder Krankheiten zu verdrängen und zu verhindern. Mikroorganismen werden in Massenproduktion hergestellt und als Pflanzenschutzmittel für eine Reihe von Schädlingen und Krankheiten in der ganzen Welt eingesetzt.

Natürliche Stoffe

Naturstoffe bestehen aus Komponenten, einschließlich natürlicher Chemikalien, die aus der Natur stammen und eine antimikrobielle, insektizide oder schädlingsabwehrende Wirkung haben. Sie können, wenn auch nicht ausschließlich, aus Pflanzen, Tieren oder Mikroorganismen gewonnen werden; es kann sich auch um synthetische Kopien ihrer ursprünglichen Form handeln.   

Semiochemische Stoffe

Semiochemikalien sind von einem Tier oder einer Pflanze produzierte, nachrichtenübermittelnde Verbindungen. Sie können eingesetzt werden, um das normale Verhalten eines Schädlings zu verändern und zu stören.
Es kann sich dabei um ein Pheromon (Botenstoff zur Informationsübertragung zwischen Individuen innerhalb einer Art) oder eine andere Chemikalie handeln. Von diesen wird ein Signal ausgesandt, das das Verhalten des Empfängers verändert.

Makrobien

Zu den Makrobien, die manchmal auch als wirbellose Pflanzenschutzmittel bezeichnet werden, gehören Insekten, Nematoden und Milben, die, wenn sie freigesetzt werden, Schädlinge parasitieren und/oder sich von ihnen ernähren.
Nützliche Parasiten, wie z. B. parasitische Wespen, können als biologische Bekämpfungsmittel eingesetzt werden. Sie legen ihre Eier in die Eier von Schädlingen und verhindern so deren Schlupf.
Im Jahr 2021 führten CABI und Koppert Biologicals Systems Ltd in Kenia ein Projekt zur Bekämpfung der Tomatenminiermotte (Tuta absoluta) in Kenia durch, bei dem unter anderem die räuberische Schlupfwespe Macrolophus pygmaeus (bekannt als MIRICAL) eingesetzt wurde.

Was sind die Vorteile beim biologischen Pflanzenschutz?

IBMA Kind Apfel

Spezifisch

Beim Einsatz einer biologischen Pflanzenschutzmethode wird diese aufgrund ihrer spezifischen Fähigkeit zur Bekämpfung eines bestimmten Pflanzenschädlings oder einer bestimmten Krankheit ausgewählt, was zu einer hohen Erfolgsquote führt.

Nachhaltig

Die Verwendung natürlicher Substanzen bei biologischen Bekämpfungsmethoden bedeutet, daß nachteilige Auswirkungen auf Menschen, Wildtiere oder die Umwelt höchst unwahrscheinlich sind. Dies macht die biologische Schädlingsbekämpfung zu einer tragfähigen, langfristigen Lösung, die in allen Anbauformen wie landwirtschaftlichen Betrieben, Privatgärten und Gewächshäusern eingesetzt werden kann.

Kosten

Natürliche Produkte können manchmal zu einem niedrigeren Preis als chemisch-synthetische Pestizide beschafft werden. Aber auch längerfristig können biologische Mittel sehr kosteneffizient sein, da sie die Gesundheit des Bodens fördern und den wiederholten Einsatz von unwirksamen (Resistenzen) chemischen Pflanzenschutzmitteln vermeiden.  

Bei der klassischen biologischen Schädlingsbekämpfung kann es sich um eine dauerhafte, sich selbst erhaltende Lösung handeln. Einmal eingeführt, ist eine erneute Anwendung nicht erforderlich.

Sicherheit

Da die biologischen Bekämpfungsmittel aus der Natur gewonnen werden, sind gefährliche Nebenwirkungen unwahrscheinlich. Leider sind Nebenwirkungen bei einigen der giftigeren chemischen Pestizide weit verbreitet, darunter solche, die Menschen, Pflanzen und Ökosysteme sowohl akut (kurzfristig) als auch chronisch (langfristig) beeinträchtigen können.   

Resistenz

Biologische Bekämpfungsmittel haben im Vergleich zu ihren chemischen Gegenspielern eine Wirkungsweise, die die Resistenzentwicklung bei Schädlingen und Krankheiten verlangsamt und auf ein kontrollierbares Niveau bringt. Außerdem sind Wissenschaftler ständig auf der Suche nach neuen Organismen und neuen Wirkmechanismen, um der Resistenzentwicklung immer einen Schritt voraus zu sein.

Herausforderungen bei der biologischen Schädlingsbekämpfung

Lagerung

Da biologische Schädlingsbekämpfungsmittel „lebendig" sind, benötigen sie teilweise besondere Lagerungsmöglichkeiten, wie z. B. Kühlung, um die Komponenten am Leben und einsatzfähig zu halten. Das kann ihren Einsatz für Anwender, die keine Kühlung zur Verfügung haben einschränken.
In diesen Fällen könnte jedoch eine alternative biologische Bekämpfungsmethode eingesetzt werden, die keine speziellen Lagerungsmöglichkeiten erfordert.

Aufklärung und Schulung

Da es sich um eine relativ neue Methode der Schädlingsbekämpfung handelt, verfügen Anwender möglicherweise noch nicht über das notwendige Wissen, um eine biologische Schädlingsbekämpfung ordnungsgemäß durchzuführen. Oder sie ziehen es vor, bei den Methoden zu bleiben, die sie bereits ausprobiert haben.  

Biologische Schädlingsbekämpfungsmittel werden jedoch immer mit Etiketten und ausführlichen Anwendungshinweisen geliefert. Außerdem können Berater gute Tipps zur Anwendung der Produkte geben und so ihre Wirksamkeit gewährleisten.

CABI arbeitet aktiv an der Verbesserung der Anwenderschulung, unter anderem im Rahmen von Projekten wie dem CABI BioProtection Portal und dem Plantwise Plus Programm