Schilf-
Die Schilf-Glasflügelzikade (Pentastiridius leporinus) gehört zur Familie der Glasflügelzikaden (Cixiidae) und fällt durch ihre glasartig durchscheinenden Flügel auf. Ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet, lebte dieses Insekt am Schilfrohr. Der Wirtsübergang vom Schilfrohr auf die Zuckerrübe wurde erstmals 1991 in Frankreich beobachtet. Inzwischen sind die Schilf-Glasflügelzikade und ihre Nymphen polyphag und breiten sich zunehmend auf weitere Kulturen im Acker- und Gemüsebau aus. Zum Schädling ist das Insekt durch die Übertragung von bakteriellen Krankheitserregern auf die Wirtspflanzen geworden.
BIOLOGIE UND LEBENSWEISE DER SCHILF-GLASFLÜGELZIKADE
Die adulten Zikaden sind etwa 5-9 Millimeter groß und besitzen eine braune Färbung mit transparenten Flügeln. Sie fliegen etwa von ca. Mai bis September und ernähren sich vom Pflanzensaft ihrer Wirtspflanzen. Der Flughöhepunkt ist im Juni/Juli. Die weiblichen Zikaden legen ihre Eier in der Nähe der Wirtspflanzen ab. Ab August schlüpfen die Nymphen, welche bis zum Frühjahr im Boden bleiben und sich von Wurzeln von z.B. Winterweizen ernähren.
Nymphen der Schilf-Glasflügelzikade auf einer Zuckerrübe
HERKUNFT UND AUSBREITUNG
Die Schilf-Glasflügelzikade stammt ursprünglich aus wärmeren Regionen Südeuropas, wo sie vor allem in Feuchtgebieten mit Schilfbeständen vorkam und kaum als Schädling in Erscheinung trat. Durch die steigenden Durchschnittstemperaturen infolge des Klimawandels konnte sich die Art jedoch immer weiter nach Norden ausbreiten und stabile Populationen in Mitteleuropa aufbauen. Gleichzeitig hat die Intensivierung des Ackerbaus und der enge Anbau von Zuckerrüben ideale Bedingungen für die Ausbreitung der Zikade geschaffen. Was früher ein Insekt der Uferbereiche und Feuchtwiesen war, nutzt heute Ackerpflanzen als Nahrungsquelle und Übertragungsweg und ist dadurch zu einer ernsthaften Bedrohung für den Zuckerrübenanbau geworden.
SCHÄDEN DURCH DIE SCHILF-GLASFLÜGELZIKADE
Die Schilf-Glasflügelzikade kann durch Saugen an den Wirtspflanzen zwei bakterielle Erreger übertragen: Candidatus Phytoplasma solani und Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus. Bei Zuckerrüben kann die Übertragung zur Krankheit Syndrom Basses Richesses (SBR) führen. Symptome von SBR sind u.a. Welkeerscheinungen und Vergilbungen der Blätter, Blattdeformationen, gummiartige Rüben und ein reduzierter Zuckergehalt.
Seit 2022 ist bekannt, dass diese Bakteriosen auch auf Kartoffeln übertragen werden können. Dadurch erkranken diese an der „Bakteriellen Kartoffelknollenwelke“. Die Pflanzen zeigen u.a. Welkeerscheinungen, Blattverfärbungen, gummiartigen Knollen, Pflanzen können vorzeitig absterben und auch ein geringerer Stärkegehalt wurde festgestellt.
Neben Zuckerrüben und Kartoffeln werden u.a. auch Rote Beete, Karotten, Pastinaken, Rhabarber sowie Spargel befallen. Dabei kann es je nach Witterung zu massiven Ertragseinbußen kommen.
Typisches Schadbild in Zuckerrüben
BIOLOGISCHE BEKÄMPFUNG MIT NEMATODEN
Aktuell gestaltet sich die Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade als sehr schwierig. Es wird intensiv an einer Lösung geforscht.
Auch wir untersuchen, ob entomopathogene Nematoden ein Teilaspekt einer Strategie sein können. Sollten Sie Interesse an gemeinsamen Versuchen haben, nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf.
Weitere Informationen zur Schilf-Glasflügelzikade finden Sie u.a. beim Julius-Kühn Institut.
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